Das 3. Imam Forum machte deutlich: Die Erwartungen an Imame sind weiterhin hoch. Sie sind heute nicht nur Vorbeter, sondern Pädagogen, Seelsorger und immer öfter zentrale Ansprechpartner der Stadtgesellschaft – Aufgaben, die mehr Unterstützung erfordern.
Mit dem Imam Forum, das in Kooperation von Islamrat und Menar-Institut durchgeführt wurde, wurde ein Zeichen für die kontinuierliche Qualifizierung religiöser Führungspersonen in Deutschland gesetzt. Das Forum in Köln versammelte zahlreiche Imame aus dem gesamten Bundesgebiet sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Akteure aus der Zivilgesellschaft.
Im Forum wurde über aktuelle Herausforderungen, kommunikative Anforderungen und zukünftige Aufgabenfelder diskutiert. Im Mittelpunkt standen die Fragen, wie Imame in einer pluralen Gesellschaft handlungs- und sprechfähig bleiben und wie Gemeinden den komplexen Erwartungen an religiöse Dienste gerecht werden können.
Der Vorsitzende des Islamrats, Burhan Kesici, hob hervor, wie breit das Tätigkeitsspektrum religiöser Führungskräfte geworden ist. Sie übersetzten kulturell, sprachlich und politisch – und oft auch seelsorgerlich in schwierigen Situationen. „Imame werden längst nicht mehr nur innerhalb der Gemeinde aufgesucht. Sie sind Ansprechpartner der ganzen Stadtgesellschaft, also: ‚Imame der Stadt‘, – in sozialen Fragen, in interkulturellen Anliegen und in Momenten, in denen Brücken gebaut werden müssen.“ Kesici erinnerte zugleich daran, dass die Vielfalt der Erwartungen ein hohes Maß an Professionalität, Geduld und Belastbarkeit erfordert.
Kesici betonte auch die oft unterschätzte Rolle der weiblichen Religionsbeauftragten in den Gemeinden. Ihre Arbeit sei unverzichtbar, aber weiterhin nicht ausreichend sichtbar. Diese Aufgabenfelder sollen künftig stärker in den Fokus rücken.
Abdullah Ergün, Direktor des Menar-Instituts, wies in einer allgemeinen Einschätzung darauf hin, dass Imame heute an zentralen Schnittstellen zwischen religiösen, sozialen und kommunalen Aufgaben agieren. Die zunehmend komplexen Anfragen aus Gemeinden und Stadtgesellschaften zeigten, dass das Rollenprofil des Imams weit über traditionelle Funktionen hinausreicht. Ergün betonte, dass hierfür sowohl eine systematische Professionalisierung als auch eine strukturelle Stärkung der imamlichen Arbeit notwendig seien. Nur so könne gewährleistet werden, dass Imame den wachsenden Anforderungen nachhaltig und verantwortungsbewusst begegnen.
Köln, 15.10.2025